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Kreuzkirche Wittekindsberg

Entdeckung 1996
1996 konnten archäologische Untersuchungen auf der Wittekindsburg ein Bodendenkmal erschließen, das weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus von großer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung ist.
Die Ausgrabungen legten die Grundmauern eines kreuzförmigen Gebäudes, eines sog. Zentralbaues frei, der ohne jeden Zweifel als Kirche anzusprechen ist. Die in der Regel 1,1 m breiten und z.T. noch bis 0,8 m hoch erhaltenen, in Lehm verlegten Bruchsteinmauern, bilden die Form eines griechischen Kreuzes von etwa 14 m Länge bzw. Breite. Der absolut symmetrische Grundriss bildet vier quadratische Räume von etwa 4 x 4 m Größe, die sich um einen ebenso dimensionierten zentralen Raum gruppieren.

Die Gräber
Im südlichen und westlichen Innenraum der Kirche konnten Reste von insgesamt fünf Gräbern freigelegt werden, wovon drei sicher als Kindergräber anzusprechen sind.
1. Kind, 1-2 Jahre alt, Geschlecht unbestimmt
2. Junge, ca. 4 Jahre alt
3. Mädchen, 6-7 Jahre alt
4. Mädchen, ca. 4 Jahre alt
5. Frau, erwachsen.

Vergleichsbauwerke
Ein wissenschaftliches Kolloquium hat 1998 deutlich gemacht, dass es in Europa nur vier direkt vergleichbare Bauwerke gibt:
1. Prag ( Tschechien), 2. Hälfte 10. Jahrh.
2. Krakau (Polen), 2. Hälfte 10. Jahrh.
3. Schuttern (Baden-Württemberg), 10. Jahrh.
4. Trier (Rheinland-Pfalz), beginnendes 11. Jahrh.

Die genannten Vergleichsbauwerke sind bis auf die Kirche in Trier heute nicht mehr zu sehen. Damit stellt sich der Grundriss auf dem Wittekindsberg als archäologische und baugeschichtliche Rarität dar.

Schutzbau Kreuzkirche
Die historischen Fundament- und Mauerreste der Kreuzkirche sind mit Lehmmörtel gebunden, so dass sie stark unter Witterungseinflüssen litten. Sie mussten daher durch einen Schutzbau erhalten werden, sichtbar und für Besucher zugänglich. Ein entsprechender Entwurf wurde bereits durch den Paderborner Architekten Joachim Tebel erstellt.

Am 6. September 2009 wurde der Schutzbau der Offentlichkeit übergeben.

Wir danken folgenden Firmen:

 
 

Die freigelegten Fundamente 1996
 
Befundplan der Grabungen 1996/97: kreuzförmige Kirche mit symbolischer Lagemarkierung der Gräber.


 


Digitaler Rekonstruktionsversuch der Kreuzkirche Wittekindsberg
 
Digitale Rekonstruktion:
Boris Nasdalack,
UNITED PAINT, Hannover


 

Der Schutzbau im Juli 2011
 
Blick in den Innenraum mit den geschützen Fundamenten und den markierten Grabstellen.
 
 
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Paderborn Balhorn

Ausgrabung "Balhorner Feld"
Ausgrabung "Am Hoppenhof" / "Wilhelmshöhe"
Ausgrabung "Saatental"
Literaturauswahl:

"Siedlungsforschung im Paderborner Westen" ist ein Projekt des Westfälischen Museums für Archäologie - Amt für Bodendenkmalpflege und der Stadt Paderborn. Ziel ist es, die überaus erfolgreichen Ausgrabungen, die in den Jahren 1975 bis 2003 am westlichen Stadtrand von Paderborn stattgefunden haben, aufzuarbeiten und wissenschaftlich auszuwerten. Die Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen unterstützt dieses Projekt in vielfacher Hinsicht, besonders durch die Übernahme von Kosten für Fundrestaurierungen und Zeichenarbeiten.

Neben dem sowohl qualitativ als auch quantitativ überragenden Fundmaterial ist das hohe technische Niveau der nach modernsten Standards durchgeführten Ausgrabungen hervorzuheben. Insgesamt wurden rund 25 ha archäologisch untersucht; dies bedeutet eine auch international seltene Größe der Grabungsflächen, die sich auf drei Bereiche verteilen:

Ausgrabung "Balhorner Feld"
Das Areal des Ortes Balhorn, der 1015 erstmalig erwähnt wurde, war offenbar über rund 1300 Jahre kontinuierlich besiedelt. In der ältesten Phase kommen neben germanischen Spuren römische Fibeln, Münzen und Keramik der Zeit um Christi Geburt in relativ hoher Anzahl vor. Auch für die folgenden Jahrhunderte der Römischen Kaiserzeit ist ein erheblicher Anteil römischer Importgegenstände zu konstatieren. Durch eine Reihe außergewöhnlicher Funde, darunter mehrere Knochenkämme mit dreieckiger Griffplatte, bronzene Haarnadeln, Bügelfibeln sowie über ein Dutzend Bestandteile spätrömischer Militärgürtel bildet die Völkerwanderungszeit einen chronologischen Schwerpunkt.

Die Masse der Siedlungsspuren stammt jedoch aus dem frühen und hohen Mittelalter. Durch Auswertung von Schriftquellen konnte man für die Zeit um 1300 ein ca. 1000 x 400 m großes Siedlungsgebiet mit mindestens 80 Wirtschaftsbetrieben umreißen. Die Ausgrabungen haben aber ergeben, dass an allen innerhalb dieses Gebietes untersuchten Stellen auch und besonders ältere Spuren vorhanden waren; die genannten Dimensionen können somit wohl bereits für die sächsische und die karolingisch-ottonische Zeit angenommen werden. Auch die überaus zentrale Lage Balhorns an der Kreuzung des Hellwegs und des Frankfurter Weges spielte sicher im Frühmittelalter oder schon zuvor eine wesentliche Rolle.

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand war die Wirtschaftsstruktur der Siedlung von Handel und handwerklicher Produktion geprägt. Insgesamt wurden etwa 300 Grubenhäuser ausgegraben, es liegen eine Vielzahl von Werkzeugen, Halbfabrikaten und Werkabfällen vor, die u.a. die Holz-, Geweih- und Knochenverarbeitung, Textilherstellung, Eisenproduktion und Buntmetallverarbeitung belegen. Von den vielen Hinweisen auf Fernhandelsbeziehungen seien beispielhaft einige merowingische Bügelfibeln und Gürtelteile erwähnt. Zahlreiche Befunde, zumeist Grubenhäuser, erbrachten größere, statistisch auswertbare Mengen an Keramik, gelegentlich in Verbindung mit datierenden Metallfunden.

Offenbar verfügten die Bewohner Balhorns über einen recht hohen Lebensstandard, die Zahl an allgemein eher seltenen Fundobjekten ist sehr hoch. So sind allein über 80 Scheibenfibeln des 9./10. Jahrhunderts zutage gefördert worden. Besonders für die späteren Siedlungsphasen des 12./13. Jahrhunderts existieren deutliche Anzeichen für eine anspruchsvolle Infrastruktur. Trotz der unmittelbaren Nähe zum Fluss Alme baute man eine Reihe aus Kalkbruchsteinen gemauerter Brunnen von rund 5 m Tiefe. Es wurden mehrere Straßen von über 11m Breite künstlich angelegt und befestigt. Auch der Hellweg ist im Ausbauzustand des 13. Jahrhunderts mit deutlichen Fahrspuren mittelalterlicher Wagen freigelegt worden. Die Straßenfüllungen enthielten massenhaft Hufeisen, aber auch Sporen, Werkzeuge, Wagenteile sowie interessante Kleinfunde wie Münzen, ein Pilgerzeichen und einen vergoldeten Adleranhänger. Zudem fanden sich hier Fragmente von Dachziegeln und Schieferplatten, die aufwendige Dachbedeckungen anzeigen.

Bei der Auswertung der Ausgrabungen in Balhorn ist die Frage nach den Charakteristika und der Funktion des Standortes innerhalb seines Umfeldes von großer Bedeutung, besonders in seinem Verhältnis zu dem nur ca. 2 km entfernten Paderborn mit dem Bischofssitz und der Kaiserpfalz. In den ersten Jahrhunderten nach der Gründung der karolingischen Domburg dürfte Paderborn an Größe und Wirtschaftskraft hinter Balhorn zurückgestanden haben.
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Ausgrabung "Am Hoppenhof" / "Wilhelmshöhe"
Abgesehen von einigen Streufunden neolithischer Artefakte sind zwei Fragmente von Feuersteindolchen aus der frühen Bronzezeit als die ältesten Fundstücke anzusehen. Die ältesten Befunde in Form von Gruben mit Keramik elbgermanischer Prägung datieren in die Jahrzehnte vor Christi Geburt. Auch für das 1. und das 2. Jahrhundert n. Chr. liegen Belege in Form von einheimischer Keramik, Bronzefibeln und römischer Importkeramik vor. Es schließen sich einzelne Komplexe der Völkerwanderungszeit an, wobei römische Terra-Sigillata Scherben mit Rädchenverzierung (Argonnenware) aus der Zeit um das Jahr 400 sowie eine bronzene Haarnadel des 5. Jahrhunderts besonders erwähnenswert sind.

Auch hier gehören jedoch die meisten Relikte in das frühe und hohe Mittelalter. Ausgedehnte Spuren dieser Zeit erstrecken sich in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Weges, einer alten Nord-Süd-Verkehrstraße. Hervorzuheben sind ein kompletter Grundriss eines zweischiffigen Gebäudes, mehrere Rutenberge, Dutzende Grubenhausgrundrisse, einige Öfen zur Eisenverhüttung sowie mehrere Brunnen und Wasserlöcher. Das Fundmaterial ist insgesamt sehr reichhaltig. Besonders für die karolingisch-ottonische Zeit liegen aus Grubenhausbefunden einige große Keramikinventare vor, die mit Metallen vergesellschaftet sind. Es deutet sich eine Kontinuität vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis in die Zeit um 1300 oder kurz danach an, eventuell besteht für die jüngere Kaiserzeit eine Siedlungslücke.

Durch Auswertung der schriftlichen Überlieferung konnte das ergrabene Areal als Siedlungsplatz "Stiden" identifiziert werden, der 1036 erstmals erwähnt wird. Die Siedlungsspuren erstrecken sich über den gleichen Zeitraum wie in Balhorn. Nach dem ersten Eindruck scheinen sich zwischen den Orten jedoch deutliche Unterschiede, z.B. bezüglich der Infrastruktur und der wirtschaftlichen Ausrichtung, abzuzeichnen, zumindest für die mittelalterlichen Phasen. Die direkte Vergleichbarkeit der beiden Siedlungen dürfte bei der Auswertung der Grabungsergebnisse von besonderer Bedeutung sein.
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Ausgrabung "Saatental"
Durch Flächengrabungen zu beiden Seiten der Barkhauser Straße konnte ein germanisches Siedlungsareal des 1. Jahrhunderts v. bis 2. Jahrhunderts n. Chr. erforscht werden, das sich am Ostufer des Flusses Alme über mehrere Hundert Meter ausdehnt. Zusammen mit entsprechenden Spuren auf dem Gebiet der Siedlungen Balhorn und Stiden gelang hier der Beleg für eine intensiv genutzte Siedlungskammer, die offenbar auch in der Zeit der römischen Eroberung Westfalens unter Kaiser Augustus bestanden hat. Grundrisse von Pfostengebäuden und Grubenhäusern, Backöfen, Verhüttungsöfen etc. vermitteln wichtige Einblicke in die späte vorrömische Eisenzeit und frühe Kaiserzeit, eine relativ unbekannte Phase westfälischer Geschichte. Besonders hervorzuheben sind einige vollständige Hausgrundrisse mit bis zu 32 m Länge sowie interessante Funde und Befunde zur frühkaiserzeitlichen Buntmetallverarbeitung.

Eine rund 600 Jahre ältere Nutzungsphase der älteren bis beginnenden mittleren vorrömischen Eisenzeit gab sich bei den Ausgrabungen durch Siedlungsbefunde und einzelne Brandgräber zu erkennen. Die ältesten hier ergrabenen Kulturspuren stammen allerdings bereits aus der Jungsteinzeit (Michelsberger Kultur, 4. Jahrtausend v. Chr.).

Anfang des Jahres 2002 hat das Westfälische Museum für Archäologie, Außenstelle Bielefeld, mit Unterstützung des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Stadt Paderborn das Projekt "Siedlungsforschung im Paderborner Westen" unter der Leitung des langjährigen Ausgrabungsleiters gestartet. Zur Bewältigung des immensen Gesamtmaterials war zunächst eine sinnvolle Gliederung in chronologischer und thematischer Hinsicht wichtig. Daher wurde eine Anzahl von Teilaspekten definiert:

Die Bearbeitung dieser Themen erfolgt größtenteils in Form von Magisterarbeiten und Dissertationen im Fach Ur- und Frühgeschichte an den Universitäten Münster und Bochum. Die wissenschaftliche Zusammenführung der Einzelergebnisse im Sinne der übergeordneten Forschungsansätze ist durch die Projektleitung gewährleistet. Auf diese Weise sind aus dem Projekt wesentliche neue Ergebnisse zu den verschiedensten Fragen zu erwarten, zur Besiedlungsgeschichte am Ostufer der Alme im Laufe der Jahrtausende, zu Handel und Verkehr, zum Handwerk, zur sozialen und gesellschaftlichen Gliederung des Siedlungswesens, zu den politischen Verhältnissen (besonders zur Zeit der Sachsen und Franken) oder zur Religionsgeschichte. Für Paderborn werden somit wichtige Erkenntnisse über diese uralte Siedlungslandschaft gewonnen, die schon lange vor der Errichtung des Königs- und Bischofssitzes existierte und die das unverzichtbare Umfeld für die Entwicklung Paderborns zu seiner heutigen Größe bildete. Durch die komplette Veröffentlichung der Grabungsergebnisse wird darüber hinaus die Basis für zukünftige Forschungen geschaffen.

Um eine möglichst umfassende Auswertung der durch die Ausgrabungen erschlossenen Quellen zu erreichen, ist es unerlässlich, neben der Archäologie auch andere Fachdisziplinen einzubeziehen. So werden im Labor für Archäobotanik der Universität Köln die geborgenen Pflanzenreste analysiert. Beim Geologischen Dienst NRW, Krefeld, werden das umfangreiche Tierknochenmaterial bearbeitet und bodenkundliche Gutachten erstellt. Bei der Universität Köln sowie dem Labor Beta Analytics, Miami USA, wurden Altersbestimmungen (C14-Analysen) in Auftrag gegeben.

In diesen Bereichen ist bereits ein relativ weit fortgeschrittener Status erreicht worden. Dazu haben in erheblichem Maße Spendengelder beigetragen.

Das Projekt "Siedlungsforschung im Paderborner Westen" ist im Gebäude Busdorfwall 2 ("Josephshaus") untergebracht, das von der Stadt Paderborn zur Verfügung gestellt wurde. Hier befinden sich sowohl die Büros als auch die Magazine für die vielen Hunderte Fundkisten, über zehntausend Fotos sowie mehrere Tausend colorierte Zeichnungen und Pläne.

Ein Beirat, in dem alle beteiligten Institutionen, das Ministerium für Städtebau, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, das Westfälische Museum für Archäologie – Amt für Bodendenkmalpflege, die Stadt Paderborn sowie die Universitäten vertreten sind, begleitet das Projekt. Er tritt in regelmäßigen Abständen zusammen.

Das Projekt wird Ende 2006 abgeschlossen sein. Die Ergebnisse werden in der Reihe "Bodenaltertümer Westfalens – Berichte des Westfälischen Amtes für Bodendenkmalpflege", veröffentlicht werden. Außerdem werden sie in Paderborn dem Publikum in einer großen Ausstellung präsentiert.

Der gute Ruf, den die Ausgrabungen in Paderborn-Balhorn und seinem Umfeld schon jetzt in der Fachwelt genießen, kommt darin zum Ausdruck, dass zahlreiche Fundgegenstände in großen Ausstellungen gezeigt wurden bzw. werden, z.B. in der Karolingerausstellung Paderborn 1999, in der Landesausstellung NRW Köln/Münster/Nijmegen 2000/2001, in der Sonderausstellung "Zeitreise Hellweg" Unna 2000/2001, in der Dauerausstellung des Kreismuseums Wewelsburg, in der Sonderausstellung "Vom Stadtboten zur Informationsgesellschaft" Paderborn 2002/2003. Hinzu kommen Präsentationen einzelner Exponate in Barcelona und Brescia. Ein Teilstück des bei den Ausgrabungen in Balhorn entdeckten mittelalterlichen Hellweges mit Fahrspuren wurde im Original geborgen und in das Kreismuseum Wewelsburg transloziert. Ein rund 20 m langes Hellweg-Teilstück blieb an originaler Stelle erhalten und wurde von der Firma "Protechno card" auf architektonisch anspruchsvolle Weise in ihren Neubau auf dem Balhorner Feld einbezogen.
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Literaturauswahl:

 

Poster zum Projekt "Siedlungsforschung im Paderborner Westen".

Bügelfibel
 
Pilgerzeichen
 
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