Ein Schutzbau für die Kreuzkirche

Zuschütten oder sichtbar präsentieren?

Gegen Ende der archäologischen Grabungen stellte sich die Frage nach der weiteren Vorgehensweise. Das zuständige Westfälische Museum für Archäologie bevorzugte als amtliche Bodendenkmalpflegebehörde aus konservatorischen Gründen die Wiederverfüllung der Grabungsstelle. Im regionalen Umfeld gab es starke Tendenzen, die freigelegten Fundamente nach Abschluss der archäologischen Grabungen auf Dauer sichtbar zu erhalten − allerdings ohne direkte finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand.

Am 2. September 1998 berichtete das Westfalenblatt: Weil die Mittel für einen Schutzbau fehlen, muß die vorromanische Kreuzkirche an der Wittekindsburg … wieder zugeschüttet werden. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, besteht letztmalig Gelegenheit, an Führungen auf dem durch viele weitere Funde bedeutsamen historischen Gelände teilzunehmen… Und das Mindener Morgenblatt berichtete am selben Tag: Für die ...  Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen betonte Vorstandsmitglied Georg Eggenstein (Paderborn), daß die  Wittekindsburg »das bei weitem größte Projekt« darstelle. Pläne für den Schutzbau sind noch nicht aufgegeben, doch können die gegenwärtig 70 Mitglieder das Vorhaben nur mit kräftiger Sponsorenhilfe verwirklichen.

Vision: Historisch-archäologischer Park Wittekindsberg

Werner Best, der Ausgräber der Kreuzkirche, legte im Jahr 2000 das Konzept für einen historisch-archäologischen Park Wittekindsburg vor. Seiner Grundidee nach sollte hier die Entwicklung aus zwei archäologischen Epochen dargestellt werden: der Burgenbau der vorrömische Eisenzeit und der Burgenbau des frühen Mittelalters. Gedacht war an eine Wiederaufrichtung der Umwehrung und des Häverstädter Tores im Maßstab 1:1. Im Innengelände sollte ein Haus „dieser Epoche“ rekonstruiert werden, um die damaligen Wohnverhältnisse zu demonstrieren. Die Kreuzkirche sollte das Kernstück bilden. Über ein Exposé kam dieses Projekt aber nicht hinaus.

Geblieben von diesem Konzept war die Errichtung eines Schutzbaus über den empfindlichen Fundamenten der Kreuzkirche. Auf Veranlassung von Werner Best lagen bereits seit 1997 die erstern Vorentwürfe des Architekturbüros Tebel & Partner vor. Für die reinen Baukosten wurden Kosten in Höhe von 375.000 DM geschätzt.

Im Vorstand der GeFAO fand das Projekt eines Schutzbaues für die Kreuzkirche allerdings nicht bei allen eine einhellige Zustimmung. Die Gegner dieses Vorhabens wiesen auf den ständigen Betreuungsbedarf und auf das Risiko der unkalkulierbaren Nachfolgekosten einer derartigen Immobilie hin.

Bis zum Jahresende 1999 waren 23.000 DM als Spenden  zusammen gekommen. Am Ende dieses Jahres erwarb die GeFAO ein 2.000 m² großes Grundstück, innerhalb dessen die Fundamente der Kreuzkirche lagen. Die Gesellschaft sammelte weiterhin Spenden in der Region, vor allem bei der heimischen Wirtschaft für den Bau eines rundum verglasten Schutzgebäudes. Dieses sollte die empfindlichen Mauerreste der Kreuzkirche vor dem Verfall bewahren.

Bis Ende des Jahres 2000 waren auf dem Spendenkonto weitere 194.000 DM zusammengekommen. Beim Einwerben von Sponsorengeldern war Jürgen Schünemann dank seiner Kontakte besonders erfolgreich.

Obwohl von den veranschlagten Baukosten erst knapp Zweidrittel der benötigten Summe spendenmäßig zusammen gekommen waren, wurde am 17. April 2000 der Bauantrag eingereicht. Die Baugenehmigung folgte am 5. Oktober 2000.

Die Bauarbeiten wurden noch im Oktober 2000 in Angriff genommen. Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass die Bundeswehr mit ihren Pionieren half, die schweren Holz- und Stahlteile der Dachkonstruktion zur unwegsamen Baustelle zu bringen.

Am 15. Juni 2001 wurde Richtfest gefeiert.
 

Feierliche Einweihung des ersten Bauabschnitts 2003

Nach einer knapp dreijährigen Bauzeit weihte am 14. September 2003 Dr. Klaus Günther, ehemals Leiter der Außenstelle Bielefeld des Westfälischen Museums für Archäologie, als Erster Vorsitzende der GeFAO in einer feierlichen Veranstaltung die erste Baustufe ein.

Fertig gestellt war jedoch nur der reine Schutzbau. Für den ebenfalls geplanten Umgang reichten die Mittel nicht mehr, da  die tatsächlichen Baukosten höher ausfielen als die kalkulierten.
Während der ersten Bauphase gab es durchaus schwerwiegende Probleme mit einer zeitnahen Bezahlung der erbrachten und in Rechnung gestellten Leistungen. Doch letztlich hat sich der Wagemut der damals Verantwortlichen ausgezahlt.

Der erste Bauabschnitt des Schutzbaus konnte ausschließlich mithilfe von Spendengeldern finanziert werden. Öffentliche Mittel des Kreises Minden-Lübbecke bzw, der Stadt Minden waren nicht geflossen. Die Arbeitsämter Herford-Minden unterstützten duch begleitende Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen das Vorhaben.Bis Ende 2005 waren 199.200 € als Spenden für den Schutzbau zusammengekommen. Zudem hatten manche ausführende Firmen ihre Rechnung teilweise mit einer Spendenleistung gemindert.Die Liste der damaligen Spender können Sie mit diesem Link aufrufen.

Sechs Jahre später: Der Bau ist fertig gestellt!

Der erste Bauabschnitt des Schutzbaus konnte innerhalb von drei Jahren ausschließlich mithilfe von Spendengeldern finanziert werden. Den Sponsoren sei hier ein nachhaltiger Dank gesagt!

Es folgten danach Jahre des Stillstands.Denn für die Realisierung des Umganges fehlten die finanziellen Mittel. In der Region Porta Westfalica und Minden war mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts die Spendenbereitschaft erschöpft. Es fehlte eine kalkulierte Restsumme von ca. 70.000 €. 

Neue Förderer mussten gesucht werden, da die GeFAO allein aus den Mitgliedsbeiträgen diese Finanzierung niemals hätte zu Stande bringen können.Ein bereits im Jahre 2002 an die Deutsche Stiftung  Denkmalschutz eingereichter Antrag war ins Leere gegangen. Ein Förderantrag bei der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege führte 2007 zum Durchbruch. Die Finanzierung des 2. Bauabschnitts übernahm größtenteils die NRW-Stiftung.

Am 6. September war es dann soweit. Die GeFAO e.V. präsentierte als Bauherrin den nach 10-jähriger Bauzeit im Beisein vieler Bürger, Fachleute sowie der politischen Prominenz von Stadt, Kreis und Land den gläseren Bau der Öffentlichkeit. Bis zu diesem Zeitpunkt waren für die GeFAO 260.000 € an reinen Baukosten zusammen gekommen. Näheres zu der Einweihungsveranstaltung in der Pressemitteilung der NRW-Stiftung und im Mindener Tageblatt vom 7. September 2009.

(in alphabetischer Reihenfolge)

ARBEITSAMT HERFORD

ARCHITEKT JOACHIM TEBEL
Paderborn

PRIVATBRAUEREI BARRE BRÄU
Lübbecke

ARCHITEKTUR & LANDSCHAFTS-PLANUNG
BOTTS ZIMMER, Minden

DACHDECKERMEISTER
AXEL BUCHHOLZ, Minden

FREMDENVERKEHRSVERBAND
PORTA WESTFALICA

GAUSELMANN AG, Espelkamp

GIESELMANN GETRÄNKE
Minden

GWD-MINDEN

HEITKAMP&HACKER
Minden

HUNGER JUN. GMBH,
Minden

FR. JACOB SÖHNE GMBH & CO
Porta Westfalica

KAMPA HAUS AG
Minden

O. KÖLLING KG GLAS
Minden

MASTERFOODS
Minden

HOLZHANDLUNG F. MEIER
Minden

MELITTA UNTERNEHMENSGRUPPE
Minden

MITGLIEDER DER GEFAO
DES UNTEN GENANNTEN FÖRDERVEREINS

NRW-STIFTUNG,
Düsseldorf

ORNAMIN KUNSTSTOFF
Minden

PN DESIGN WERBEAGENTUR
PETER NEUBAUER
Hille-Nordhemmern

RODENBERG AG
Porta Westfalica

H. SCHREIBER GMBH BAUSTOFFE
Minden

SCHRÖER WERBUNG
BESCHRIFTUNGEN
Minden

SCHÖTTKER
Rinteln

SPARKASSE MINDEN-LÜBBECKE

STADTSPARKASSE PORTA WESTFALICA

STADTWERKE MINDEN GMBH

TEB PORTA SYSTEMS AG
Hüllhorst

TUS-N-LÜBBECKE

UNITED PAINT
Hannover

VOLKSBANK MINDEN EG

METALL-STAHLBAU WELSCHAR GMBH
Minden

WINDHOFF-WASSERTECHNIK
Neuenkirchen

WORTMANN
Hüllhorst

Wir benötigen Sie als künftiges Mitglied und als Spender/in

Eigentümerin des Grundstücks und des Schutzbaus ist die Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen e. V. Damit ist sie alleinverantwortlich für den gesamten Unterhalt des Bauwerks. Allein von den Beiträgen der Mitglieder können wir diese Aufgabe finanziell nicht mehr bewältigen. Der Verein ist neben der Betreuung des Schutzbaues schwerpunktmäßig auf dem Gebiet der archäologischen Denkmalpflege in Ostwestfalen tätig. .

Unsere Fördergesellschaft wurde vor 23 Jahren gegründet. Auch wir erfahren den demographischen Faktor unmittelbar. Um den Schutzbau im bürgerschaftlichen Einsatz über Jahre hinaus weiter betreuen zu können, brauchen wir dringend neue Mitglieder und Förderer. Vor allem auch solche Mitglieder, die sich aktiv für die Wartungsarbeiten rund um den Schutzbaues einbringen wollen.

Texte: Johann-Sebastian Kühlborn.

Literatur

Johann-Sebastian Kühlborn, Vergangenes und Gegenwärtiges. Ein Rückblick auf die ersten zwei Jahrzehnte der GeFAO. In: Archäologie in Ostwestfalen 13, 2017, 7−15.

Johann-Sebastian Kühlborn, Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen e. V. – ein Rückblick auf 20 Jahre. In: Archäologie in Westfalen Lippe 2016 (2017), 280−283.